Durch meine Rolle als Kriegsenkelin wurde ich regelrecht in die Epigenetik, ihre Ursachen und mögliche Lösungen eingeweiht. Es faszinierte mich sehr, viele meiner Eigenheiten auf die Kriegserlebnisse meiner Eltern zu beziehen. Es war überzeugend. Plötzlich machte es Sinn, dass ich das Gefühl hatte, alle Krankheiten meiner Eltern übernommen zu haben. 
 
Epigenetik ist ein sehr spannendes Forschungsgebiet. Vereinfacht gesagt untersucht sie, wie Gene an- oder ausgeschaltet werden, ohne dass sich die DNA selbst verändert. Ich stelle mir das ganz einfach vor: es ist grundsätzlich alles da. Ich bin Alles. Und vor der Inkarnation stehe ich mit der Palette da und klicke an, was ich dann ablesen und ausprobieren möchte. Wie sich das chemisch darstellt, soll an dieser Stelle unbedacht bleiben. Es ist im Internet alles nachzulesen, es ist wissenschaftlich gut belegt, dass Umwelt und Lebenserfahrungen epigenetische Veränderungen hervorrufen können.

Es gibt Hinweise darauf, dass starke Belastungen einer Generation Auswirkungen auf die nächste Generation haben können. Aus der Sicht meiner Arbeit mit Ahnen, Energiearbeit und dem morphogenetischen Feld gibt es eine interessante Berührung: Die Epigenetik zeigt, dass Erfahrungen früherer Generationen biologische Spuren hinterlassen können. Das überschneidet sich in gewisser Weise mit der Idee, dass Familiengeschichten nachwirken.
Bemerkenswert ist in meiner Geschichte diesbezüglich, dass ich sieben (wie meine Großmutter im Krieg 5) Kinder verloren habe. Nicht so dramatisch wie sie, aber bemerkenswert. Ich habe lange gebraucht, das zu verarbeiten. Meine Tochter, bzw. Enkelin (diese Art von Erbe überspringt anscheinend immer eine Generation) wird es nicht mehr lösen müssen. Das bedeutet aber nicht, dass die Verarbeitung des Trauma die DNA verändert – vielmehr kann sich verändern, wie reguliert werden, was abgelesen wird.

Untersucht wurde das zum Beispiel bei Nachkommen von Menschen, die Krieg, Hungersnöte oder schwere Traumata erlebt haben. Bei ihren Kindern oder Enkeln fanden Forschende teilweise Veränderungen in der Regulation von Genen, die mit der Stressreaktion zusammenhängen. 
Ich bin an meinem Beispiel auf eine ganz interessante Deutung  gestoßen. Meine Mutter, vor allem aber auch der Vater haben im Krieg starke Hungersnot durchlebt. Ich habe mein ganzes Leben exzessiv gegessen. Ich habe kein Sättigungsgefühl. Ich esse bis es weh tut. Immer. Während des Krieges waren beide Eltern auf der Flucht mein Vater ein halbes Jahr, meine Mutter von 39-45, sechs Jahre. Mein Mann hat sehr darunter gelitten, dass ich so unstet bin. Wurzellos, mal hier, mal da. Immer auf der Suche. Für mein Verständnis ist das Epigenetik. Ich lebe unverarbeitetes weiter. 

Das Hoffnungsvolle daran ist: Viele epigenetische Veränderungen sind nicht dauerhaft festgeschrieben. Sie können sich im Laufe des Lebens wieder verändern. 
Das vielleicht Schönste an der Epigenetik ist:
Sie zeigt, dass biologische Prägungen nicht zwangsläufig unveränderlich sind.
Positive Erfahrungen können ebenfalls Einfluss auf die Genregulation haben. Dazu gibt es Hinweise aus Studien zu:

Die Forschung untersucht derzeit, in welchem Ausmaß solche Veränderungen auch mit messbaren epigenetischen Anpassungen einhergehen.
Gerade deshalb wird die Epigenetik oft als Wissenschaft der Anpassungsfähigkeit verstanden: Unsere Gene legen nicht unser Schicksal fest. Sie bilden einen Rahmen, und die Art, wie Gene reguliert werden, kann sich im Laufe des Lebens verändern. Das macht verständlich, warum Heilung und persönliche Entwicklung trotz belastender familiärer Vorgeschichten möglich sein können – auch wenn noch nicht alle biologischen Mechanismen vollständig verstanden sind.